Welcher Trainer für mich

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Welcher Trainer für mich - ein Einstieg

In dem Angebot der unterschiedlichen Trainer kann man sich leicht verlieren. Die Hersteller bringen allerdings auch zunehmend weitere Geräte in den Markt, die sich in manchen Fällen nur marginal unterscheiden. Auf der anderen Seite kann durch die große Auswahl letztlich jeder Anwender das passende Angebot für seine Bedürfnisse sowie seinen Geldbeutel finden.

Zur Ermittlung des optimalen Trainers muss man sich daher im ersten Schritt Gedanken machen, was man erreichen will, denn egal:

  • ob Sie einfach nur ein bisschen Ihre Fitness verbessern wollen,
  • seriös trainieren, aber dabei Spaß haben wollen,
  • oder gezielte Weiterentwicklung und Erhaltung der Form auch in der dunklen Jahreszeit betreiben wollen

Für jedes Ziel bietet der Markt ein passendes Angebot.


All-In-One oder modularer Aufbau ?

Bevor die Auswahl beginnen kann, muss sich der Sportler noch Gedanken über den zur Verfügung stehenden Platz und die Variabilität machen.

So gibt es auf dem Markt All-In-One-Geräte: das sind individuell gefertigte, in sich geschlossene Systeme für einen speziellen Einsatzzweck, bei denen man sich nur noch auf das Sportgerät (sozusagen auf das Fahrrad) setzen muss und gleich ohne größere, initiale Vorbereitungen los radeln kann. Diese Art von All-In-One-Geräten wird im Volksmund oft auch als Heimtrainer bezeichnet. Auch die Fokussierung auf den gewünschten Einsatzzweck ist hoch: so sind z.B. Spinning Bikes i.d.R. sehr stabil aufgebaute Konstruktionen, die primär auf die Befolgung der Anweisungen des oder der bereits heftig schwitzenden Spinning-Trainer/in optimiert wurden. Eine Steuerung z.B. durch einen externen Computer ist schon aus Systemsicht nicht vorgesehen.

Wohin damit nach dem Training

Aber wie alles im Leben, so hat auch diese Vorgehensweise 2 Seiten: was initial Zeit spart, muss zu einem späteren Zeitpunkt mit Einschränkungen bezahlt werden. Daher sind die All-In-One-Geräte zwar beim ersten Einsatz meist zeitlich fast unschlagbar, aber wenn das Sportgerät dann gerade mal doch nicht gebraucht wird, eben nur schwer bis gar nicht zerlegbar. Auch das Gewicht eines solchen Gerätes ist nicht unbeträchtlich, da der sichere Stand während der Nutzung auch ein gewisses Eigengewicht bedingt. Somit muss bei Umzügen, auch wenn sie nur temporär sind, ein nicht unerhebliches Gewicht bewegt werden (sozusagen die nächste Trainingsphase).

1 Werkzeug für alle Anforderungen

Daneben sind All-In-One-Geräte zwar hervorragend integriert, aber dadurch auch leider über den vom Hersteller vorgesehenen Einsatzbereich i.d.R. nicht oder nur schwer und wenn, dann meist nur über den vom Hersteller vorgesehenen (kostenpflichtigen) Weg, erweiterbar. Man kann auch sagen: "what you get is what you see" - wenn sich Anforderungen z.B. durch den Trainingszustand erweitern, dann ist oft die nächste All-In-One-Entscheidung angesagt (alles wegwerfen und ein neues Gerät erwerben oder doch beim aktuellen Zustand bleiben?). Speziell im Bereich Unterstützung von Drittanbieter-Software ist uns kein All-In-One-Gerät bekannt, dass Plattformen wie Zwift, KinoMap, Bkool oder andere unterstützt. Auch ein Hometrainer, der vielleicht mit einem Computer zur Steuerung verschiedener Intervall-Programme ausgestattet ist, bietet grundsätzlich nur eine vordefinierte Anzahl an Programmen, die absolviert werden können. Sollte der Hersteller sogar eine Möglichkeit zur Erweiterung der Programme durch ein Firmware-Upgrade bieten, so bleibt dennoch grundsätzlich die Beschränkung auf die durch den Hersteller der Hardware vorgesehenen Möglichkeiten.

Lohn für die Mühen

Bei einem modularen Aufbau hingegen müssen mehrere Komponenten wie Fahrrad, Trainer und ggf. Software-Unterstützung zunächst zusammengefügt und zu einem funktionierenden Gesamtsystem integriert werden. Dies kann wie bei einem Kassetten-Trainer teilweise soweit gehen, dass zunächst sogar eine passende Kassette auf dem Trainer eingebaut werden muss, was manche Hobbyradler mangels geeignetem Werkzeug wie z.B. eine Kettenpeitsche schon vor erste Probleme stellt. Auch die Kopplung des Trainers mit dem heimischen Laptop und/oder Smartphone via ANT+ oder Bluetooth kann in manchen Umgebungen eine echte Herausforderung sein. Die Hersteller haben das allerdings zumeist erkannt und haben in den letzten Jahren den Kopplungsprozess stark vereinfacht, so dass hier echte Herausforderungen mittlerweile eher selten sind.

Dafür wird man bei einem modularen Aufbau mit einer weitgehenden Flexibilität belohnt und auch bei Problemen kann die fragliche Komponente (sei es Hardware oder Software) einfach getauscht oder bei steigenden Anforderungen auch durch ein Upgrade ersetzt werden. Hier ist der Eigentümer per definitionem nicht auf die initialen Limitationen durch den Hersteller eingeschränkt. Speziell die Smart Trainer, die eine Steuerung durch einen verbundenen Computer, Tablet oder sogar Fahrrad-Computer zulassen, gestatten sehr weitreichende Möglichkeiten, von denen man bei einem All-In_One-Modell meist nur träumen kann.

Die Strasse zu Hause zu Besuch

Zusätzlich unterscheiden sich modulare Systeme auch hinsichtlich des Fahrverhaltens grundsätzlich: Da in den vielen Fällen das eigene Fahrrad zum Einsatz kommt (oder z.B. auch ein ausrangiertes, älteres Road Bike), wird sich schon zum einen das Sitzgefühl komplett von den anderen Kategorien unterscheiden. Auch das  Fahrempfinden selbst ist komplett unterschiedlich (schon allein aufgrund der Position des Fahrers). Hinzu kommt, dass meist ja das eigene Rad als Trainingsgerät zum Einsatz kommt und somit ein natürlicheres bzw. ähnlicheres Fahrgefühl erzeugt wird: angefangen von der Sitzhaltung über die Gewöhnung an den Sattel bis hin zum Flexverhalten bei Sprints. Speziell im Frühjahr, wenn der Umstieg auf das Außen-Sportgerät ansteht, werden oftmals die Unterschiede erst so richtig deutlich.

Insgesamt kann zusammenfassend gesagt werden, dass durch den Einsatz echter Fahrräder sich das Gefühl der Strasse leichter in die eigenen 4 Wände übertragen lässt als bei einer der anderen Kategorien. Durch die Möglichkeit, in Reaktion auf das Streckenprofil unterschiedliche Gänge zu schalten sowie die Strecke auch visuell abzufahren, erhöht sich die Realitätsnähe weiter und es kommt "echtes Fahrgefühl" auf. Wenn man dann noch Features wie z.B. die Simulation von Kopfsteinpflaster oder Holzbohlen durch gewisse Highend-Trainer in Betracht zieht, dann wird klar, dass der Anspruch der Turbo Trainer die möglichst optimale Simulation der Realität das Ziel ist, wohingegen die beiden anderen Kategorien Sportgeräte sind wie auch eine Hantel ein Sportgerät ist, die aber keine Vorlage in der Realität hat, der sie nacheifern will.


Wenn der Geldbeutel die entscheidende Rolle spielt...

Es gilt der Grundsatz: je mehr Funktionen, je genauer die Messungen und je weiter der Einsatzbereich - desto teurer. Wobei die Range für einfachste Trainer bei rund € 50 beginnt, man aber auch > € 5.000 für einen Trainer ausgeben kann. Bei so einem Trainer rollt dann das Fahrrad auf einer Art Laufband und wird sehr realistisch auf diesem Band bewegt.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es aber eine weite Bandbreite an Möglichkeiten, wobei man bereits für € 100 - 200 vernünftige Einsteigergeräte erhält, das Angebot zwischen € 300 - 700 dann sehr breit wird und man für € 1.000 - 1.200 bereits Highend-Lösungen auch für den professionellem Trainingsanspruch erhält.

Neben den reinen Anschaffungskosten für die Trainer-Hardware gesellt sich aber evtl. noch der Preis eines Fahrrades hinzu (sofern sie nicht bereits ein Fahrrad besitzen und letztendlich ist so gut wie fast jedes Fahrrad geeignet). Für die Nutzung eines Simulators kommen meist noch monatliche Gebühren für das Abonnement der Trainings-Plattform hinzu: für die Bereitstellung von Videos zum Training und Trainingsplänen, das Tracking der gefahrenen Zeiten und die Verbesserung der Leistung sowie allgemein die Bereitstellung der Plattform für Rennen oder andere Social Events - meist liegt der monatliche Aufwand um die € 10.

Einsteiger-Trainer

Bei dieser Art von Trainern muss der Anwender noch Hand anlegen und alle oder die meisten Einstellungen selbst vornehmen d.h., die Verstellung des Widerstands erfolgt über ein Rad oder bei etwas fortgeschritteneren Geräten über eine Art Kabel-Fernbedienung, die am Lenker befestigt werden kann. Der Widerstand wird dabei grob in Stufen angepasst. Diese Trainer haben i.d.R. kein Computer-Interface und werden daher als einfache Trainer bezeichnet, um sie von den fortgeschrittenen Trainern mit erweiterten Funktionen und einem Computer-Interface abzugrenzen.

Midrange-Trainer

Als Midrange Trainer werden hier Geräte eingestuft, die bereits über eine standardisierte Schnittstelle für den bidirektionalen Datenaustausch mit Computern, Tablets oder auch Fahrrad-Computern verfügen. Die Bandbreite ist hierbei am größten - angefangen von den unterschiedlichen Bauformen (freie Rollen, Rollentrainer oder auch Trainer mit Direktantrieb) über die Leistungsfähigkeit des Trainers (von 500 Watt bis fast 2.000 Watt) bis hin zu den unterschiedlichen Genauigkeitsklassen (von +/- 3% bis zu fast 1,5 %). So findet sowohl der gelegentliche Sportler genauso Angebote wie semi-professionelle Hobbyathleten, die Unterstützung für die Optimierung des persönlichen Trainingszustands.

Highend-Trainer

In dieser Geräteklasse sind nur noch Geräte mit Direktantrieb (sog. Kassetten-Trainer) zu finden, da mit dieser Technologie die besten Möglichkeiten zur Optimierung des Trainingsgefühls bestehen und auch nicht durch z.B. Schlupf beeinträchtigt werden können. In dieser Leistungskategorie ist eine Genauigkeit von deutlich weniger als 2% Abweichung selbstverständlich - bei Topgeräten sind auch Genauigkeiten von deutlich unter 1% zu finden. Daneben bieten diese Geräte auch Spitzenleistungen von fast 2.500 Watt, was natürlich besonders bei der Simulation von hohen Steigungs-Prozenten in Verbindung mit geringen Geschwindigkeiten oder auch schnellen Geschwindigkeits-Änderungen z.B. im Rahmen von Sprints mit heftigem Antritt zum Tragen kommt. Auch Funktionen wie z.B. Simulation von Straßenoberflächen wie Kopfsteinpflaster oder Holzbohlen finden sich nur bei Geräten dieser Kategorie.


Unterschiedliche Bauformen

Indoor-Trainer gibt es in den unterschiedlichsten Bauformen: angefangen bei freien Rollen (manchmal auch als Freilaufrollen bezeichnet) über die einfache Trainer (oder manchmal auch Rollentrainer genannt) in mehreren Bauformen bis hin zu den Trainern mit Direktantrieb (sog. Kassettentrainer). Der Begriff Indoor-Trainer stammt dabei aus dem englischen Sprachbereich und umfasst dort i.d.R. alle Formen von sportlichen Fahrrad-Trainern (aber nicht Spinning Bikes oder Home Trainer).

Rein indoor oder doch auch outdoor

Durch die hohe Mobilität eines Rollentrainers kann dieser auch zum Aufwärmen für Wettkämpfe mitgenommen werden. Die meisten Geräte sind innerhalb weniger Minuten auf- und abgebaut. Einig Trainer benötigen dabei noch nicht mal einen Stromanschluß: dabei sind dies nicht nur einfache mechanische Trainer, sondern teilweise auch Highend-Geräte, die sich den benötigten Strom aus den Tretbewegungen selber generieren. Schon seit längerer Zeit werden diese Geräte im Rennrad-Sport von Profils gerne vor und nach dem Rennen eingesetzt, um die Muskeln anzuwärmen oder nach der Belastung optimal auszufahren. Aber auch im Hobbybereich werden diese Trainingsgeräte immer öfter von Sportlern verwendet. Es gilt jedoch auch hier zu beachten, dass sich die klassische Rolle oder auch Trainer mit einer Hinterrad-Rolle aufgrund des Gewichts besser transportieren lassen als die Highend-Kassettentrainer. Dies ist allein schon darin begründet, dass das bei Kassetten-Trainer zum Einsatz kommende Gegengewicht eben auch herumgeschleppt werden muss. Auch der allgemein stabilere Aufbau resultiert i.d.R. in einem erhöhten Transportgewicht.

Platz ist unter dem kleinsten Sofa...

Einfachste Geräte sind meist starr aufgebaut - in den meisten Fällen lässt sich die im Betrieb aus Stabiltätsgründen benötigte Standfläche durch Zusammenklappen oder Einschieben deutlich verringern. Auf diese Weise können die Geräte, wenn sie mal nicht im Betrieb sein sollten, auch gut in einer Ecke oder bei Rollentrainern, die meist deutlich flacher bauen als Trainer mit Direktantrieb, auch teilweise unter dem Sofa verstauen.


Pragmatische Erwägungen oder die Profanität des Alltags...

Bei allen Trainern, die mit einer Rolle operieren, kommt es zwangsläufig zu Abrieb durch Verschleiß des Reifens. Durch den Einsatz spezieller Trainingsreifen lässt sich dieser Abrieb etwas verringern, aber nicht ganz vermeiden. Speziell wer sich auf dem Trainer richtig auspowert, kann die erbrachte Leistung förmlich als Häufchen hinter dem Trainer nachvollziehen. Bei Trainern mit Direktantrieb entfällt dieser Abrieb, da gar kein Hinterrad mehr zum Einsatz kommt und somit kein Abrieb mehr entstehen kann.

Wenn der WAF eine Rolle spielt...

Der sog. WAF (Women Acceptance Factor) ist für alle Sportlerinnen und Sportler von Bedeutung: wer ungern in Kürze wieder allein leben will, für den wird auf Dauer das Thema Lautstärke zunehmend wichtiger. Auch hier haben die Direktantrieb-Geräte Bauart-bedingt die Nase deutlich vorne. Durch den Wegfall der rotierenden Außenrolle entfällt schon ein nicht unerheblicher Grund für Geräusche, da ja kein Reifen mehr Abrollgeräusche produzieren kann. Zusätzlich entfällt bei den modernsten Geräten entweder das rotierende Schwungrad komplett (z.B. beim Tacx Neo 2T Smart) oder wird durch modernste Elektronik und Mechanik so geräuscharm gelagert, dass man überwiegend nur noch das Kettengeräusch beim Training hört.

Erst bei hohem Leistungseinsatz kommt dann teilweise ein Lüftergeräusch hinzu, mit dem die erzeugte Hitze aus dem Gerät hinausbefördert wird. Speziell bei Nutzung in Mietwohnungen oder zur Erhaltung des häuslichen Friedens empfiehlt sich diesen Aspekt nicht gänzlich zu vernachlässigen, aber auch durch die Nutzung einer Unterlegmatte zur Entkopplung des Gerätes vom Boden lässt sich bereits eine deutliche Reduktion der Außenwirkung erreichen, da zumindest die Weiterleitung der Geräusche über den Fußboden als Resonanzfläche auszuschließen.

Da auch ein Sportler mit höchster Disziplin mal beim entspannten Rollen nebenbei Musik hören will oder auch einen Film anschauen, ist das Thema Lautstärke auch im gewissen Eigeninteresse.